Gestein & Beschaffenheit der Zugspitze

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Auf was stehe ich da eigentlich?

Wenn du im Wettersteingebirge stehst ist das eine interessante Frage.

In diesem Beitrag findest du ein paar Fakten zum Gestein in dieser Region.

Was ist Permafrost und was ist seine Aufgabe im Gebirge?

Auch über die besorgniserregende Entdeckung im Gestein werden wir berichten. Befinden sich die Bewohner von Garmisch-Partenkirchen in Gefahr?

Infos über die Gletscher findest du hier.

In welcher Gegend befindet sich die Zugspitze?

Die Zugspitze ist Teil des Wetterstein-gebirges. Dieses befindet sich im nördlichen Bereich der Kalkalpen. Diese sind wiederum ein Bestandteil der Ostalpen.

Unten im Bild ist der komplette Gebirgszug der Alpen zu sehen, aufgeteilt in West- und Ostalpen.

Das ganze Massiv der Zugspitze besteht zum größten Teil aus Muschelkalk, Wettersteinkalk und Hauptdolomit und ist aus kalkhaltigen Meeresablagerungen entstanden.

Da sich die Afrikanische Kontinentalplatte in Richtung der Europäischen Platte schiebt, hat sich das Gestein im Laufe der Zeit übereinander geschoben oder “gefaltet”.

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Aufteilung der Alpen

Daher kommt auch die Bezeichnung “Faltengebirge”.

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Nördliche Kalkalpen mit dem Wettersteingebirge

Erste Besuche von Menschen

Nachdem der Gipfel offiziell als erstes von Josef Naus bestiegen und vermessen wurde, wuchs das Interesse an dem höchsten Gipfel Deutschlands.

Sowohl in Österreich als auch in Deutschland bemühte man sich recht schnell, einen bequemen Zugang zum Gipfel – oder immerhin in die Nähe davon – zu schaffen.

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typischer Muschelkalk im Wettersteingebirge

1926 war die Seilbahn auf Österreichischer Seite fertiggestellt, allerdings reichte sie noch nicht bis zum Gipfel.

Vier Jahre später, Im Sommer 1930, gab es dann auch von Deutschland aus eine Möglichkeit, um auf die Zugspitze zu gelangen.

Die Zugspitz Zahnradbahn brachte die Gäste bis zum Schneefernerhaus am Zugspitzplatt.

Im Jahr 1963 wurde dann auch die Eibsee-Seilbahn in Betrieb genommen, die noch schnellere Variante in Richtung Gipfel.

Die Zugspitze besteht aus drei Gipfeln, wovon allerdings der Höchste, der Westgipfel, 1938 gesprengt wurde.

Er sollte einer Flugleitstelle der Wehrmacht weichen, die dann aber doch nicht gebaut wurde.

Die Sprengung scheint zwar wie ein kleiner Eingriff, doch es wurde beobachtet, dass sich seitdem das Wetter lokal verändert hat.

Es gab eine Veränderung der Niederschläge und es wehen mehr Westwinde, dafür weniger Ostwinde.

Heute hat nur noch der in Deutschland liegende Ostgipfel seine ursprüngliche Höhe.

Auf dem Mittelgipfel wurde im Jahr 1930 eine Seilbahnstation gebaut.

Technisch erschlossen – so gut, wie die Münchner Innenstadt

Die Zugspitze ist technisch so gut erschlossen wie kein anderer Berg.

Man sagt, beinahe so gut, wie die Innenstadt von München.

Es sind zum Beispiel Sendeanlagen für Radio- und TV-Sender stationiert – auf der Deutschen Seite für den Radiosender Antenne Bayern, auf der Österreichischen Seite für den Österreichischen Rundfunk (OFS).

Besucher finden hoch oben alles, was sie auch in ihrer Stadt finden: Gaumenfreuden vielerlei Art und sogar ein Internetcafé.

Selbst Künstler und Unternehmen kommen auf ihre Kosten, denn auf dem Gipfel gibt es eine Galerie für Ausstellungen sowie mehrere Tagungsräume.

Die damalige Reichspost vergab für die Zugspitze sogar eine eigene Postleitzahl.

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Das Schneefernerhaus

Bereits im Jahr 1900 wurde am Münchner Haus eine meteorologische Mess- und Forschungsstation gebaut.

Seit 1952 werden dort am Gipfel, und 300 Meter weiter unten im Schneefernerhaus, vom Deutschen Wetterdienst Temperatur, Windgeschwindigkeit und Luftdruck gemessen.

Es werden außerdem Daten über die Art der Bewölkung, den Niederschlag und die Schneehöhe gesammelt.

Des Weiteren finden hier Forschungsarbeiten zu dem Einfluss menschlicher Aktivitäten auf die Klimaentwicklung statt, sowie Messungen der Radioaktivität und anderer Gase in der Atmosphäre.

Dabei werden so manche klimatischen Entwicklungen aufgezeichnet.

Hier eine Dokumentation mit besorgniserregenden Informationen:

Das Innere des Berges

Was ist los mit dem Eis?

Die Gletscher gehen zurück – das hören wir seit einigen Jahren und es ist offensichtlich erkennbar, wenn man auf der Zugspitze ist.

Von den massiven Gletschern auf der Zugspitze sind nur noch Bruchteile übrig.

Doch was wir mit bloßem Auge nicht sehen können: auch das Eis im Berg schmilzt.

Im Felsen befindet sich nämlich der Permafrost, der das Gestein wie Mörtel zusammenhält.

Durch das immer wärmer werdende Klima gehen nicht nur die Gletscher, sondern auch das Eis im Gestein mehr und mehr zurück.

Dadurch verliert der Fels an Stabilität. Das kann katastrophale Folgen nach sich ziehen.

Wenn du im Tal bewusst darauf achtest, kannst du noch Zeugen eines einstigen Bergsturzes erkennen: kleine Hügel und verschüttete Felsbrocken verschiedener Größe weisen darauf hin, dass hier vor langer Zeit mal ein Teil des Berges ins Tal gerutscht ist.

Mehr Informationen dazu findest du in unserem Artikel über den Eibsee.

Was ist ein Bergsturz?

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Beispiel für einen Bergsturz

Bergsturz nennt man es, wenn mehr als eine Million Kubikmeter Fels von einem Berg abbrechen.

Das passiert, wenn das Eis in den Felsklüften und -Spalten schmilzt und das Gestein nicht mehr zusammengehalten wird.

An der Zugspitze waren es sogar 400 Millionen.

Diese Gesteinsmassen brachen gemäß Wissenschaftlern vor etwa 3.700 Jahren ab und man vermutet, dass die Zugspitze vorher noch höher war.

Damals war das Klima ebenfalls wärmer, so wie heute, weswegen man befürchtet, dass sich diese Katastrophe wiederholen könnte.

Ein Krater am Berg – ist der Gipfel bereits brüchig?

Es gibt einen alten Versorgungsstollen an der Zugspitze. Noch vor 30 Jahren waren dessen Wände von Eis bedeckt – meterdick.

Ein Forscherteam der Universität Bonn stellte fest, dass heute nicht mehr viel davon übriggeblieben ist.

Messungen mit Hilfe von Schallwellen und elektrischer Leitfähigkeit ließen ebenfalls Besorgnis aufkommen.

Die Ergebnisse wiesen darauf hin, dass im Felsen um den Stollen herum nur noch wenig Permafrost vorhanden ist.

Außerdem wurde auf dem Berg ein Krater entdeckt. Dort ist wenige Zeit vorher eine Höhle eingestürzt, deren Decke vermutlich einst von Eis stabilisiert wurde.

Was wird getan?

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Nördlicher Schneeferner und Reste des Südlichen.

August 2007: Das Unterfangen ist nicht ganz ohne: schweres Material und Werkzeug müssen auf den Berg geschafft werden.

Die Arbeit findet im hochalpinen Gelände statt.

Eine permanente Gefahr lauert durch eventuellen Steinschlag oder Wetterumschwünge.

Sollte ein Gewitter aufziehen, muss die Baustelle schleunigst geräumt werden, denn alle Geräte sind aus Stahl und könnten bei einem Blitzeinschlag zur Todesfalle werden.

Es soll der Gipfel der Zugspitze in Nordsüdrichtung durchbohrt werden.

Nach fünf Tagen und einer nicht geglückten Bohrung ist der Tunnel fertig.

Ein 60 Meter langer Tunnel, 12 Zentimeter im im Durchmesser, der Aufschluss darüber geben soll, wieviel Eis noch im Gipfelbereich vorhanden ist.

Mithilfe einer Kamera wird das Gestein sorgfältig auf Krater und andere Auffälligkeiten untersucht.

Danach wird das Loch wieder verschlossen. Darin befindet sich jetzt ein Kabel mit 27 Thermosensoren, die die Temperatur im Gestein messen.

Stündlich übermitteln sie die entsprechenden Daten ins Gipfelgebäude der Bayrischen Zugspitzbahn.

Außerdem erkennen jetzt weitere Messgeräte kleinste Risse im Gestein. 15 Jahre lang sollen hier die Messungen erfolgen.

Sollte eine tatsächliche Gefahr durch einen Bergsturz auftreten, dann würde sie hier rechtzeitig erkannt.

Fazit

Der höchste Berg Deutschlands besteht aus Muschelkalk und wurde über die Jahre „gefaltet“.

Dieses brüchige Gestein wird durch Permafrost zusammen gehalten.

Das Klima an der Zugspitze verändert sich allerdings und damit sind auch einige Gefahren verbunden.

Das einzige was wir tun können ist vorsorgen und überwachen.

Bildnachweis: Eigenes, Aufteilung Alpen © by Kauk0r , Nördliche Kalkalpen © by Geof, Muschelkalk © by Schmidti, Schneefernerhaus © by Tiia Monto, Bergsturz © by Wandervogel, Schneeferner © by Gerdt.

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