Tour 6 – Eisenzeit – durchs „Freilichtmuseum“ auf die Zugspitze

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Lust auf ein ganz besonders spannendes Erlebnis an der Zugspitze?

Was hältst du von etwas Kletterrei mit geschichtlichem Hintergrund?

Eine spektakuläre Aussicht auf den Eibsee soll auch dabei sein?

Dann ist der wiederentdeckte Steig durch die Nordwand der Zugspitze genau das richtige für dich.

In diesem Beitrag erläutern wir dir wie die Tour „Eisenzeit“ entstand und wie sie wiederentdeckt wurde.

Außerdem findest du hier eine detaillierte Tourenbeschreibung mit Bildern aus der Strecke.

Wir bedanken uns auch besonders bei Franz von „Die Bergführer“. Ohne seine Insiderinfos hätten wir die Tour gar nicht so detailliert beschreiben können.

So bist du wunderbar ausgerüstet für deine eigene Besteigung der Zugspitze.

Fakten

Die Zeit hat hier Spuren hinterlassen…
  • Ausgangspunkt: Talstation Eibsee der Zugspitzbahn. Ausstieg an der Station Riffelriss der Zahnradbahn
  • Stützpunkt: Münchnerhaus bei der Bergstation
  • Gehzeit: 6 Stunden
  • Höhenunterschied: 1312 Meter
  • Anforderungen: Trittsicherheit, Kondition und Schwindelfreiheit. Eine komplette Kletterausrüstung ist ebenfalls notwendig. Wir empfehlen das begehen der Eisenzeit nur mit einem Bergführer da die Streckenführung nicht eindeutig ist. Bis Schwierigkeitsgrad 4 sollte man ohne Probleme klettern können.
  • Ausrüstung: ausreichend Trinkwasser, Komplette Klettersteigausrüstung, Helm und Sicherungsseil (Seillänge: 1 x 50m), 6 Expressschlingen, einige Bandschlingen

Geschichte der „Eisenzeit“

Der Steig durch die Nordwand der Zugspitze ist nicht neu.

Schon in den Jahren zwischen 1928 bis 1930 wurde der Steig über dem Riffelriss begangen.

Von wem?

Damals wurde die Verbindung der Zahnradbahn bis hinauf zum Zugspitzplatt gebaut.

Die damaligen Bauarbeiter waren die Pioniere was den Steig in der Nordwand betrifft. In die Felswand wurde damals ein spektakulärer Steig gesprengt und geschlagen.

Drei Arbeiter starben leider auf dieser abenteuerlichen Baustelle.

Aufgrund des Steigs konnten die Bau- und Tunnelarbeiten für die Bahn an verschiedenen Stellen zur selben Zeit begonnen werden. Der Tunnel sollte nämlich in zwei Jahren fertiggestellt werden.

Bis Grainau konnten einfach Schienen gelegt werden. Der Tunnel hinauf auf das Platt erforderte allerdings viel Anstrengung.

Um die Bauzeit des Tunnels zu beschleunigen wurde der Bau damals an fünf Stellen geleichzeitig begonnen: vom Gipfel talwärts, vom Tal nach oben und auch in der Mitte des Steiges.

Gearbeitet wurde sowohl im Sommer als auch im Winter.

Beim Gehen der Eisenzeit kannst du dich in diese Zeit zurückversetzen. Die alten Leitern und Versicherungen und Tunnel sind stille Zeitzeugen.

Sogar alte Bierflaschen aus dieser Zeit kannst du hier wiederfinden.

Fast ein ganzes Jahrhundert lag der alte Steig vergessen da. Bis Michael Gebhardt den Steig wiederbelebte.

Wir zeigen dir im Folgenden was dich auf dieser Tour erwartet.

Tourbeschreibung der Eisenzeit

Die Eisenzeit hat eine nicht ganz einfache Wegführung, da es keine Wegmarkierungen oder Ähnliches gibt.

Es handelt sich nicht um einen reinen Klettersteig sondern eine alpine Kletterroute.

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Die Eisenzeit ist eine alpine Kletterroute / Bild von Hans Herbig

Die meisten Kletterstellen haben den Schwierigkeitsgrad 1 oder 2. Einige Passagen Schwierigkeitsgrad 3 und zwei kurze Stellen 4.

Eine große zusätzliche Schwierigkeit ist allerdings die Wegfindung.

Außerdem gibt es viele ungesicherte Wegstellen.

Abstürze sind auf dieser Strecke eher weniger das Problem. Meist wird die Tour unterschätzt und die Bergrettung muss wieder einmal verirrte Bergsteiger suchen gehen.

Allein an den alten Versicherungen können sich Bergführer orientieren wenn sie andere Bergsteiger auf diesem Weg nach oben führen.

Das ist auch der Grund warum wir von einem Aufstieg ohne Führer abraten.

Diese Strecke ist allerdings einen Besuch wert. Durch die vielen Überbleibsel des abenteuerlichen Bergbahnbaus in den 20-er Jahren ähnelt sie sozusagen einem Freilichtmuseum.

Kommen wir jetzt aber zur eigentlichen Streckenführung.

Start am Riffelriss

Offiziell beginnt die Eisenzeit an der Haltestelle „Riffelriss“ der Zahnradbahn.

Du kannst allerdings auch schon vom Parkplatz „Zahnradbahnhof Eibsee“ starten. Dazu musst du über eine Brücke die Trasse der Zahnradbahn queren.

Westlich der Gleise gelangst du über verschiedene Wege zu dem kleinen Tunnel der Zahnradbahn und später auf einer Waldschneise zur Haltestelle Riffelriss.

Die Bahn hält am Riffelriss nur bei Bedarf. Deshalb musst du unbedingt signalisieren dass du aussteigen möchtest.

Von der Station aus geht es erst einmal über Serpentinen den Wanderweg Richtung Riffelscharte.

 Vorher zweigst du allerdings zu einigen alten Sprenghäuschen ab. Diese sind auch noch vom damaligen Bergbahnbau übrig geblieben.

Eine dritte Möglichkeit ist der Zustieg entlang der Skiabfahrt. 

Vom Parkplatz gelangst du oberhalb nach Westen auf Forststraße. Dann kannst du dem ausgeschilderten Wanderweg Richtung Riffelriss und Haltestelle folgen.

Wenn rechts der alte Tunnelbauersteig abzweigt, ist es Zeit sich die Kletterausrüstung anzulegen.

Weit entfernt kannst du hier schon oben im Fels ein altes Metallgerüst ausmachen. Auf gehts in die Geschichte!

ACHTUNG! Auf der ganzen Strecke wird immer der leichteste Weg gewählt. Mehrere schwere Drahtseile die irgendwo herumhängen werden einfach ignoriert. Diese Seile dürfen nicht belastet werden, sie sind nicht sicher.

Der Schraubenschlüssel

Wenn die Ausrüstung gut sitzt und vom Kameraden geprüft wurde kann es losgehen.

Dem alten Tunnelbauersteig folgst du unterhalb von Felsriegeln nach Osten hinauf  bis zum blechernen Sprengbahnaufbau (1890m). Hier befand sich früher das Tunnelfenster I.

Nach kurzer Zeit wirst du an eine „Schlüsselstelle“ gelangen. Allerdings keine klettertechnische.

Dort liegt ein riesiger massiver Schraubenschlüssel, der von den Arbeitern damals genutzt wurde. Unglaublich, dass die Arbeiter damals in dieser Höhe mit solch schweren Gerätschaften arbeiteten.

Wenn du den Schraubenschlüssel gefunden hast, bist du auf dem richtigen Weg. 🙂

Der Weg führt dich über Serpentinen weiter in das Bayrische Schneekar.

Ständig muss man hier aufmerksam sein. Der Schotter des Wettersteingebirges liegt oft nur lose auf. Auch auf die alten Versicherungen ist absolut kein Verlass.

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Das Geröll begleitet dich auf großen Teilen der Strecke / Bild von Hans Herbig

Wer hier einen kleinen Fehltritt macht, segelt vor den Augen der Touristen in der Seilbahn auf direktem Weg ins Tal.

Hier wurde damals viel Vorarbeit geleistet. Ein Großteil der Strecke ist hier aus dem Fels gesprengt.

Die Strecke führt dich immer  knapp oberhalb der Abbruchkante und steigt bis vor an den Nordwestgrad der Großen Riffelspitze.

ACHTUNG! Neben der Abbruchkante steigt direkt der schwerere, offengelassene Steig in direkter Linie zum oberen Strahleraufbau an. Du kannst hier noch die alten Drahtseile sehen. Diesen darfst du nicht folgen sondern musst dich rechts davon halten.

Die Harakiri-Leiter

Wer die „Harakiri-Leiter“ einmal gesehen hat wird dem Namengeber recht geben.

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Die Harakiri-Leiter / Bild von Hans Herbig

Ein rostiger Rest einer Leiter hängt hier an ein paar Stücken Stahlseil. Das alte Seil hat auch schon so manchen Steinschlag erlebt.

Danach kommst du an dem schon von unten gesichteten Gerüst vorbei, dem „alten Strahler“ . Dabei handelt es sich um ein Gerüst mit Scheinwerfern. Gedacht war die Konstruktion für Notfälle und Evakuierungen der Seilbahn.

Vom Strommast aus kannst du oben eine markante, höhlenartige Nische erkennen. Bis du dort ankommst folgst du einfach dem Steig der damals in den Fels geschlagen wurde.

Hier geht es das erste Mal richtig zur Sache. Es ist also Konzentration gefragt.

Kurz unterhalb der Nische ist eine Kletterpassage (4-). Der Fels dort ist ziemlich brüchig. Die Stelle ist eine der schwierigsten der Tour und kann nicht versichert werden.

Danach folgt man wieder dem Steig hinauf zu einer Eisenleiter bei einem Tunnelloch – außen nach rechts zur nächsten Eisenleiter und an dieser hinunter bis zu einem Stollen.

Der Steig führt dich weiter über alte Holz-Versicherungen und Verankerungen.

Meist wurden Stahlstifte in Holzstücke geschlagen, die dann in Felslöcher gesteckt wurden. Alles ist ziemlich wackelig und hat im letzten Jahrhundert durch die Wettereinflüsse ziemlich gelitten.

Teilweise ist es einfacher Streckenweise seilfrei zu gehen, da die Suche nach zuverlässigen Fixpunkten teilweise sehr mühsam ist.

Bald gelangst du an eine weitere Rostleiter an einem Tunnelloch.

Schon bald folgt eine weitere Leiter. Hast du diese überwunden, stehst du am Tunnelfenster IV.

Diesen Blick hatten wohl schon die Arbeiter vor langer Zeit…

Die Stollen

Die Stollen die hier in den Fels geschlagen wurden dienten den Arbeitern als Aufenthaltsraum.

Die waghalsigen Bauarbeiter übernachteten hier sogar die Woche über. Nur ein bis zwei Tage konnten sie im Tal mit ihrer Familie verbringen.

Hier kannst du noch alte Bierflaschen finden. Wie viel Bier jedem Arbeiter pro Tag mindestens gestellt werden musste war übrigens im Arbeitsvertrag festgelegt.

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Durch die Stollen / Bild von Hans Herbig

An Grundnahrungmitteln fehlte es dort oben also nicht… 🙂

Wer eine kleine Pause einlegen möchte, findet im Stollen mit Sicherheit einen gemütlichen Platz.

Wer auf dieser Tour biwakieren möchte kann das auch wunderbar hier im Stollen tun.

Der Weg führt dich durch den kompletten Stollen und führt dann aus dem letzten Stollenfenster wieder heraus.

Wenn noch Schnee liegt während deiner Tour kann es sein dass die Eingänge des Stollens etwas zugeschneit sind. Das Innere ist allerdings immer Schneefrei.

ACHTUNG! Der mit Stahlseilen abgesperrten Eingang zu einem weiteren Tunnel darf nicht betreten werden. Es ist der Zugang zum aktuellen Zugtunnel. Hier besteht Lebensgefahr. In einem Notfall kann hier allerdings auf Hilfe gewartet werden.

Sobald du den Stollen verlässt endet der historische Museumsweg. Es folgt nun ein alpiner Kletterweg.

Alpine Klettertour

Der nächste Teil der Strecke muss größtenteils kletternd zurückgelegt werden.

Ab jetzt verraten dir nur noch einige wenige Bohrhaken dass du dich auf dem richtigen Weg befindest.

Erst folgst du einem Band nach oben. Am ersten gebohrten Stand kannst du das Seil anlegen.

Es geht weiter über einige plattige Wandstellen.

Die ganze Wegführung ist ziemlich unübersichtlich. Das Gefühl sagt einem, dass man überall durchkommen könnte.

Wer sich aber verklettert steht schnell in einer senkrecht abfallenden Sackgasse. Der Schotter tut sein Übriges.

Spätestens an dieser Stelle ist ein Bergführer der sich auskennt Gold wert.

Weiter geht es durch eine große Rinne die einer Schlucht gleicht. Danach folgt die klettertechnische Schlüsselstelle. Es handelt sich um eine Stelle mit dem Schwierigkeitsgrad IV.

Dabei handelt es sich um eine sehr lange kaminartige Rinne. Ungefähr 45 Meter müssen hier beinahe senkrecht durchklettert werden.

Über den Grat zum Gipfel

Spätestens jetzt wird es merklich heller. Du hast den Riffelgrat erreicht und lässt die Nordwand hinter dir.

Und noch etwas verändert sich hier: du betrittst einen gut in Schuss gehaltenen Steig mit nagelneuen Stahlseilen. Teilweise ist der Fels bereits speckig vom starken Durchgangsverkehr.

Wenn du am Grat oben angekommen bist, kannst du hinunter ins Höllental sehen. Von dort führt der Aufstieg über den Höllentalferner herauf.

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Blick über den Riffelgrat / Bild von Hans Herbig

Deshalb ist hier ganz besondere Vorsicht geboten damit keine Steine gelöst werden. Steinschlag kann für die vielen Bergsteiger auf der Strecke aus dem Höllental sehr gefährlich sein.

Deshalb nicht dem Nordostgrad folgen oder schräg abwärts auf den Höllentalsteig absteigen.

Stattdessen kannst du dich von dort aus ganz gemütlich im festen Fels auf zwei Mal abseilen.

Vom ersten Abseilstand geht es 25 m abwärts. Vom zweiten nochmals 15 m. Dann hast du den Höllentalaufstieg erreicht.

Die letzten 300 Höhenmeter bis zum Gipfelkreuz werden über den Klettersteig aus dem Höllental zurückgelegt.

Die meisten Eisenzeit-Bergsteiger erleiden hier einen Schock:

Bei gutem Wetter reiht sich auf der Höllentalroute – wie auf allen anderen Touren zum Gipfel – Bergsteiger an Bergsteiger. Das wird Richtung Gipfel immer schlimmer.

Bis du den Ameisenhaufen sehen kannst: das Zugspitzplateau!

Trotzdem lohnen sich die ruhigen Stunden im Steig und das gute Gefühl es bis auf Deutschlands höchsten Punkt geschafft zu haben.

Vom Gipfel aus geht es über einen leichten, viel begangenen Steig hinüber zum Seilbahngebäude. Dort kannst du dich dann erst einmal stärken.

Abstieg

Abstiegsmöglichkeiten gibt es viele.

Du kannst alle anderen 5 Touren als Abstieg nutzen. Dazu kannst du unter Umständen auf dem Münchner Haus übernachten. Dazu besser vorher telefonisch anfragen!

Wer vom Klettern noch nicht genug hat, kann am nächsten Tag sogar den Jubiläumsgrat absteigen.

Wer lieber gemütlich ins Tal gebracht werde möchte kann auch einfach eine der Bergbahnen nehmen.

Dafür hast du drei Möglichkeiten.

Für welche du dich entscheidest hängt davon ab, ob du ein Auto im Tal stehen hast oder wo du gerne ankommen möchtest.

  • Die neue Seilbahn Zugspitze: Bei dieser Seilbahn kannst du auch nochmals einen Blick auf die Eisenzeit werfen. Diese Bahn fährt nämlich genau über die Strecke die du zu Fuß zurückgelegt hast. Die Talstation befindet sich am Eibsee.
  • Die Zahnradbahn: Mit der Zahnradbahn bist du wahrscheinlich gestartet und am Riffelriss ausgestiegen. Die meisten parken deshalb ihr Auto an der Talstation in Garmisch-Partenkirchen.
  • Die Tiroler Zugspitzbahn: Wenn du dich für diese Bahn entscheidest gelangst du nach Ehrwald/Obermoos (Österreich).

Fazit

Bei der Eisenzeit handelt es sich um eine sehr abwechslungsreiche und geschichtlich sehr interessante Bergtour.

Wir empfehlen für diese Tour allerdings dringend einen Bergführer. Die Wegfindung ist teilweise sehr schwierig. Es scheint dass man überall durchkommt.

Wer allerdings einen falschen Weg einschlägt landet schnell in einer Sackgasse und riskiert im brüchigen Fels abzurutschen.

Die relativ einfachen Schwierigkeitsangaben sind nur eine klettertechnische Bewertung. Die Wegfindung kommt noch erschwerend dazu.

Nicht zu vergessen sind auch die teilweise brüchigen Felsen auf dieser Strecke. Einen Vierer in solchem Gelände zu klettern ist um einiges heikler als im festen Fels (wie beispielsweise dem „Aggenstein“)

Mit guter Vorbereitung und Ausrüstung ist die Tour aber für geübte Bergsteiger machbar.

Wir wünschen dir auf jeden Fall viel Spaß und Erfolg bei deiner Besteigung der Zugsspitze.

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